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    „The Purge“: Überzeugend geht anders

    Gesellschaftskritische Ansätze versanden in austauschbaren Gewaltexzessen

    "The Purge": Überzeugend geht anders – Gesellschaftskritische Ansätze versanden in austauschbaren Gewaltexzessen – Bild: USA Network/Patti Perret
    Miguel (Gabriel Chavarria) in „The Purge“

    Unter den zahlreichen Dystopien, die (nicht nur) die US-amerikanische Populärkultur in den letzten Jahren beherrscht haben, gehört die „Purge“-Reihe nicht zu den besten, aber zu den erfolgreichsten: Vier Filme hat ihr Erfinder, der New Yorker Regisseur James DeMonaco, bislang geschrieben, der bis dato letzte, ein Prequel mit dem sinnigen Titel „The First Purge“, lief erst in diesem Sommer im Kino. Im Zentrum dieser in nahestmöglicher Zukunft angesiedelten Filme steht die titelgebende Säuberungsaktion: Sie erlaubt jährlich einmal für zwölf Stunden einen gleichsam gesetzlosen Zustand, in dem jede Form von Gewalt gestattet ist, Vergewaltigungen ebenso wie Morde – nur die Obersten aus Regierung und Wirtschaft sind als Opfer immun. Die Regeln: Messer, Pistolen und so weiter sind erlaubt, Bomben und Massenvernichtungswaffen sind es nicht, die „Purge“ beginnt um 19 Uhr abends und muss Punkt 7 Uhr morgens beendet sein. Wer gegen diese Regeln verstößt, wird öffentlich gehängt.

    Der gruselige Kitzel dieser apokalyptischen Vision besteht nun darin, dass sie sich leicht andocken lässt an Zustände, die schon jetzt immer häufiger auf der Welt, auch in der sogenannten „westlichen“, zumal in den USA unter Präsident Trump, wieder in Erscheinung treten: rechte bis rechtsextreme Regimes, die mit Law & Order und populistischen Ausgrenzungsstrategien mehr Sicherheit versprechen. Und so sind es in „The Purge“ auch die „New Founding Fathers“ (NFF), die neuen Gründerväter also, wie sich die neue faschistische Regierung Amerikas dort euphemistisch nennt, die die „Purge“ damit begründen, dass sich durch diesen zwölfstündigen Gewalt-Karneval, der gezielt wie ein kathartischer Ausnahmezustand genutzt werden soll, die Gewaltraten im Rest des Jahres auf niedrigstmögliche Niveaus senken lässt. Es kommt den NFF natürlich bestens zupass, dass bei der brutalen „Reinigung“ vor allem Obdachlose und sozial Benachteiligte den marodierenden Mördern zum Opfer fallen, während sich die Elite hinter Sicherheitsglas und in Luxusresidenzen verschanzt. Im zynischen Weltbild der Purge-Befürworter lösen sich so viele Probleme gleichzeitig: Die Purge entlastet die Sozialsysteme und schützt den Staat vor Überbevölkerung.

    So beißend sozialkritisch, wie sie sich gibt, ist die „Purge“-Reihe allerdings nicht. Über die spannende Prämisse reicht die Analyse kaum hinaus. Denn natürlich handelt es sich bei diesen Filmen vor allem um Horrorfilme, die typische Motive des Genres durchdeklinieren und sich in weiten Teilen im Inszenieren möglichst schrecklicher Todesarten erschöpfen. Der Voyeurismus, den die Filme damit bedienen, nimmt der vorgeblich zeitkritischen Reihe den zivilisationsskeptischen Wind aus den Segeln.

    Dennoch schiebt DeMonaco nun auch noch eine Serie hinterher, zehn Episoden erst einmal, fürs USA Network, das mit „Mr. Robot“ die derzeit sicher wirkmächtigste dystopische Serie im Angebot hat. Dagegen anzustinken ist schwer. Und fast erwartungsgemäß kann „The Purge“, die Serie, da nicht mal im Ansatz konkurrieren, weder in der erzählerischen Dichte, noch in der inszenatorische Gestaltungskraft oder gar durch schauspielerische Finessen. Am ehesten zu beschreiben wäre sie – oder zumindest das, was die ersten, von Anthony Hemingway („Red Tails“) inszenierten Folgen nahelegen – als eine Art integrierte Anthologieserie: eine Reihe zusammengebastelter Short Storys, die man irgendwie mit der „Purge“ verbinden kann. Zumindest am Anfang verlaufen sie strikt parallel und hängen nur dadurch zusammen, dass sie zeitgleich stattfinden, kurz vor, während und (möglicherweise, in den letzten Folgen) nach einer „Purge“-Nacht.

    Jane (Amanda Warren) ist ihr Chef Don Ryker (William Baldwin) zu sehr auf den Leib gerückt

    Eine der Storys kreist um die aufstrebende Finanzmanagerin Jane (Amanda Warren), die sich während der „Purge“ mit ein paar Mitarbeitern im gläsernen Hochhaus ihrer Firma einschließen lässt, um über Nacht einen internationalen Deal abzuschließen. Zugleich macht die von ihr bezahlte Killerin Bracka (AzMarie Livingston aus „Empire“) Jagd auf Janes Boss Ryker (William Baldwin, „Sliver“, „Dirty Sexy Money“), der ihr zuvor unsubtil zu verstehen gegeben hatte, dass ihre Karriere nur gegen sexuelle Gefälligkeiten voranschreiten könne. Wie diese Geschichte ausgeht, und ob sie noch einen Ausweg findet aus dem mehr als zwiespältigen Dreh, dass erfolgreiche Frauen nur via Gewalt noch erfolgreicher werden können, bleibt abzuwarten.

    In einer ähnlichen Zwickmühle steckt das junge Ehepaar Jenna (Hannah Emily Anderson) und Rick (Colin Woodell). Sie wollen raus aus ihrer bürgerlichen Umgebung mit dem netten Häuschen und dem schrulligen Nachbarn (Joe Chrest aus „Stranger Things“) und – wie Jane in der anderen Story – hoch hinaus. Die Chance ihres Lebens, ihren game changer, sehen sie, als sie vom ebenso reichen wie mächtigen NFF-Ehepaar Stanton zu einer Purge-Party eingeladen werden, sprich: zu einem stilvollen Fest in einer riesigen Villa, in der sich die Oberen Zehntausend zusammenfinden, um sich, zu Streichquartetten, feinem Champagner, leckeren Macarons und mit Serienkiller-Masken vorm Gesicht, auf großen Flatscreens das draußen stattfindende Gemetzel anzuschauen. Rick erwartet derweil ein produktives Arbeitsgespräch mit Mr. Stanton; klar sein dürfte schon jetzt, dass der Karrieresprung mit moralischen Zugeständnissen erkauft werden muss. Außerdem problematisch: Rick und Jenna hatten, wie brünftige Rückblenden im milchigen Sonnenlicht einer Versicherungswerbung insinuieren, eine heiße und offenbar äußerst ungut geendete Affäre mit der Tochter des Hauses, Lila (Lili Simmons aus „Banshee“). Die ist soeben – überraschend früh für das Ehepaar – von einer Afrikareise zurückgekehrt, sucht sofort wieder ihre Nähe sucht – und rebelliert offenbar gegen ihre Eltern. Ohne zu wissen, welche Richtung diese Story verfolgt, kann man mit Fug und Recht konstatieren, dass so ziemlich jede bisherige Minute dieses Handlungsstranges furchtbar ist, von den öden Null-Dialogen über das bleierne Spiel der Darsteller bis hin zu den grimassierenden Party-Statisten, denen keine Regie je Einhalt gebot.

    Die des Lebens müde Penelope (Jessica Garza) macht der zweifelnden Freundin Melissa (Emmanuelle Nadeau) Mut, den Plan des freiwilligen Todes in der Purge-Nacht umzusetzen

    Am effektivsten ist bislang der dritte und zentralste Handlungsstrang. Darin kurvt Ex-Marine Miguel (ausdrucksarm: Gabriel Chavarria) im schnittigen Auto durch die nächtliche Stadt, um seine Schwester Penelope (Jessica Garza aus „Six“) zu finden, die sich einer Teenie-Endzeitsekte angeschlossen hat und in einem Bus ihrer eigenen Exekution entgegenschaukelt. Fiona Dourif („Dirk Gentlys Holistische Detektei“) spielt die Kultchefin mit entrückt-irrem Blick, während Penelope und die anderen Teenager allmählich in Panik geraten. DeMonaco schickt Miguel auf Rettungsmission und zu diesem Zweck auf eine Roadmovie-Tour-de-Force mit Prügeleinlagen, die ihn auf dubiose Junkies (Jared Bankens, „Deckname Quarry“) und korrupte Cops (Dominic Fumusa, „Nurse Jackie“) stoßen lässt und in Drogenhöhlen ebenso führt wie in vom Live-TV übertragene Spießrutenläufe, die Erinnerungen an Arnold Schwarzenegger in „Running Man“ und an die „Hunger Games“ aufkommen lassen. Ob sein ereignisreicher Trip zur Schwester, der von Anfang an als Rennen gegen die Zeit inszeniert wird, schon bald oder erst in der zehnten Episode ein Ende finden wird, ist schwer zu prophezeien. Er wirkt jedenfalls, als hätten die Autoren alles, was ihnen sonst noch eingefallen ist, genau in diesen Roadmovie-Strang gepfropft. Und von „Oz – Hölle hinter Gittern“-Star Lee Tergesen, der als maskierter Rächer der Mordgefähredeten in einer vierten Short Story ebenfalls durch die Stadt cruist, haben wir da noch gar nicht geredet.

    Auf der panischen Suche nach seiner Schwester Penelope wird Miguel für eine „Spielshow“ zwangsverpflichtet

    Überzeugend ist das jedenfalls alles nicht. DeMonaco gibt sich zwar Mühe, das apokalyptische Geschehen an derzeitige politische Verwerfungen anzubinden, indem er den Folgen Titel wie „What is America?“ verpasst und einen Radiosprecher im Trump-Speak bewundernd davon sprechen lässt, wie die New Founding Fathers „this country great“ gemacht hätten und davon dass die Purge die „ultimative Nacht der Freiheit“ sei, der große „Liquidator unserer Zeit“, ein „ideologisches Investment“. Das sind spannende Ansätze, definitiv, doch nichts ist damit gewonnen, wenn die Serie sonst vor allem aus schlecht geschriebenen Dialogen und austauschbaren Gewaltszenen besteht. Miguel etwa kurvt mit einem Nachtsichtgerät durch die Stadt: Dessen Hauptfunktion scheint vor allem zu sein, dass man so die grausamsten Brutalitäten (angezündete Menschen, Verstümmelungen usw.) zwar zeigen kann, aber eben wohlfeil verfremdet. Miguel sagt, wenn ihm wieder mal ein abgeknalltes Opfer über die Kühlerhaube fliegt, so Sachen wie: „Crazy Sons of Bitches!“ Es ist selten, dass man das zeitdiagnostische Potenzial eines Stoffes so konsequent zerkrümeln sah wie hier.

    Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten zwei Episoden von „The Purge“.

    Meine Wertung: 2/5


    © Alle Bilder: USA Network/Patti Perret

    Die zehnteilige Miniserie „The Purge“ wird aktuell in den USA beim USA Network veröffentlicht. Parallel werden die Episoden im wöchentlichen Rhythmus in englischer Sprachfassung bei Prime Video veröffentlicht. Der Start der deutschen Synchronfassung wurde für den 21. September angekündigt.

    Trailer zur „The Purge“
    (Synchronfassung)

    (Originalfassung)

    21.09.2018, 19:30 Uhr – Gian-Philip Andreas/ourtestdrive.site

    Über den Autor

    Gian-Philip Andreas
    Gian-Philip Andreas hat Kommunikationswissenschaft studiert und viel Zeit auf diversen Theaterbühnen verbracht. Seit 1997 schreibt er für Print und online vor allem über Film, Theater und Musik. Daneben arbeitet er als Sprecher (fürs Fernsehen) und freier Lektor (für Verlage). Für ourtestdrive.site rezensiert er seit 2012 Serien. Die seiner Meinung nach beste jemals gedrehte Episode ist Twin Peaks S02E07 ("Lonely Souls") ­- gefolgt von The Sopranos S03E11 ("Pine Barrens"), The Simpsons S08E23 ("Homer's Enemy"), Mad Men S04E07 ("The Suitcase"), My So-Called Life S01E11 ("Life of Brian") und selbstredend Lindenstraße 507 ("Laufpass").

    Lieblingsserien: Twin Peaks, Six Feet Under, Parks and Recreation

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Markus am 29.09.2018 18:56

      Ich weiß nicht, was an der Purge Reihe samt Serie
      langweilig oder schlecht sein soll.
      Man versetze sich doch einfach mal in die Lage der Menschen, die diese Horrornacht Jahr für Jahr durchstehen müssen.
      Ich schaue mir die Serie mit großer Begeisterung an, und keine Sekunde habe ich bisher bereut.
      Jede Folge vergeht wie im Flug.
      Langweilig ist was anderes aber sicher nicht die Purge!
        hier antworten
      • Vritra am 22.09.2018 01:05

        Das ganze "Purgiversum" stinkt. Schon der erste Film hat nichts getaugt und die danach waren noch mieser. Warum sollte die Serie das besser können? Das Konzept ist nichts weiter als eine neue Variante pure Brutalität zu zeigen. Nett für den, der Splatters mag, wobei die dafür viel zu harmlos sind, und der Rest sollte einfach ein Buch lesen oder mit Freunden ausgehen. Macht definitiv mehr Sinn, als "The Purge", egal welcher Teil.
        • mynameistv (geb. 1979) am 22.09.2018 04:14

          Was ich ja erschreckend finde ist, dass sich viele Menschen, mehr als man glaubt, sich so eine Purge wünschen, denn diese Welt hätte es angeblich nötig. Ich habe mal jemandem in einem Forum gefragt, ob es denn nicht sinnvoller wäre, das System zu ändern, damit die Menschen zufriedener sind, weniger Armut entsteht, uswusw. Das wäre alles ohne diesen Purge möglich. Antwort darauf war, dann würde er ja keinen Spaß dabei haben. Ich habe ihm daraufhin geantwortet, dass er doch mal bei einem Psychologen vorsprechen sollte, was der zu seinen perversen Gedanken sagen würde. Seine Antwort war, ob es denn wirklich pervers wäre, im Sinne der Menschheit zu handeln. Das war mir dann doch zu viel und ich brach das Gespräch gleich ab, denn solche Leute sind dann wohl nicht wirklich Gesprächsbereit und wollen einfach nur ihren puren Hass verbreiten.
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